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Mathias Handrick


Schon seit 1970 ist Mathias Handrick auf deutschen Bühnen unterwegs. Meistens allerdings bevor sich der Vorhang öffnet. Außer einmal, am Nationaltheater in Weimar: Da schraubte der damalige Bühnenbildner-Praktikant gerade für das Ballett „Des Kaisers neue Kleider“ an einer demolierten goldenen Sonne hoch über den Bühnenbrettern, als sich der Vorhang hob. Seitdem arbeitet der gebürtige Sachse lieber im Verborgenen. Als Thomas Rech ihn dennoch an der Comödie Bochum entdeckte, holte er ihn kurzerhand in den Mondpalast, wo er seit 2004 für sämtliche Bühnenbilder und die ein oder andere Requisite zuständig ist. Seit sich im Mondpalast 2004 zum ersten Mal der Vorhang hob, gestaltete er alle Bühnenbilder von „Ronaldo und Julia“ bis zur „Flurwoche“. Die Inspirationen erwachsen aus seiner 35-jährigen Berufserfahrung. Bis zum Jahr 2016 gestaltete Handrick die unverwechselbaren Mondpalast-Kulissen.

Werkstatt zwischen den Welten

Handricks Werkstatt liegt nur einen Steinwurf vom Mondpalast entfernt – auf der anderen Seite der Wilhelmstraße. Inmitten seiner Werke arbeitet der 58-Jährige hier bei Musik von Beethoven bis Hendrix bis zu zwölf Stunden am Tag. Die Bühne des Mondpalastes birgt dabei Tücken, die Handrick aus seiner Zeit am  Nationaltheater in Weimar in den 70er Jahre nicht kannte. „Es gibt hier kaum Stauraum. Nach oben und unten kann man nichts verschwinden lassen.“ Die Kulissen dürfen eine Höhe von fünf Metern nicht überschreiten, da sie mehrfache Auf- und Abbauphasen erdulden müssen. Hunderte versteckte Scharniere machen es möglich, sie durch die Tür und über die Straße zu transportieren, bis sie im Hinterraum der Handrick’schen Werkstatt verstaut werden.

Das Klimbim der Kulissen

„Zwischen der ersten Lektüre eines Stücks und dem fertigen Bühnenbild liegen etwa drei Monate. Manchmal schraube ich noch am Tag der Premiere an den Kulissen herum“, erzählt der Bühnenbildner. So zum Beispiel am Premierenabend von „Ronaldo und Julia“: „Mir fehlte noch ein einziger Beschlag und ich musste zum Baumarkt. Aber ich kannte mich in Wanne-Eickel nicht aus und habe mich verfahren. Am Ende ging aber alles glatt.“ Um hohe Kosten zu vermeiden, muss der Theatermaler oft erfinderisch sein. So benutzte er für die Briefkästen der „Flurwoche“ umgedrehte Papierspender. In seiner Werkstatt wartet für solche Fälle eine Kiste mit der Aufschrift „Klimbim“ – man weiß ja nie, was man noch alles erfinden muss.

Alle Urheberrechte liegen beim Mondpalast von Wanne-Eickel.
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