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Geschichte: Kaisersaal? Saalbau? Mondpalast!

Ein Gebäude, viele Gesichter: Im Saal an der Wilhelmstraße wird seit knapp 100 Jahren gefeiert, getanzt, gespeist und Theater gespielt – mit Deutschlands großem Volkstheater hauchte Christian Stratmann der Wanner Bühne neues Leben ein

2009 feiert der Mondpalast seinen fünften Geburtstag – und 2011 steht dem großen Volkstheater bereits das nächste Jubiläum ins Haus. Oder besser gesagt: Es ist das Haus selbst, das Geburtstag feiert. Vom Kaisersaal über Stadtgartensaal und Saalbau bis hin zum Mondpalast – runde 100 Jahre wird das Gebäude alt, das in seiner Geschichte einige Wandlungen durchgemacht hat. Doch egal, welches Jahrzehnt: Eine ganz enge Verbindung hat der Theatersaal seit jeher zu der grünen Oase drum herum …



… und mit der fing auch alles an: Wer den ganzen Tag im dunklen Flöz Kohlen abbaut, sehnt sich in seiner Freizeit nach Natur und Erholung im Grünen. So – oder so ähnlich – lauteten Ende des 19. Jahrhunderts die Überlegungen, nahe den Zechensiedlungen in Wanne einen Park anzulegen. Auf einem ehemals kahlen und sumpfigen Gebiet sollte eine blühende Landschaft entstehen. Nach Plänen des Düsseldorfer Gartenarchitekten Fritz Gude wurden Bäume gepflanzt, Blumen gesetzt und ein Gondelteich angelegt, bis schließlich am 8. August 1900 die ersten Wanner durch den neuen „Kaisergarten“ schlendern konnten.

Festhalle aus Brettern und Dachpappe
Schnell entstand in der Bevölkerung der Wunsch, den Park um einen Gemeinschaftsraum zu ergänzen. Aus Brettern und Dachpappe entstand zunächst eine provisorische Festhalle, die jedoch schnell einem viel prachtvolleren Gebäude weichen sollte: dem Kaisersaal. Fein herausgeputzt machten sich die Wanne-Eickeler Bürger auf, dort zu fei- ern, zu tanzen und zu dinieren. Bereits kurz nach der Eröffnung im Jahre 1911 wurde im Kaisersaal auch schon Theater gespielt. Für eine Gastspielsaison machte das Bochumer Schauspielhaus 1912 Station auf der neuen Wanner Bühne – brach den Versuch jedoch nach fünf schlecht besuchten Vorstellungen wieder ab. Auf deutlich mehr Resonanz stießen dagegen die vaterländischen Kundgebungen der Kaiserzeit.

Bühne für „Grosse“ und „Kleine“
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebäude „umgetauft“. Der Kaiserpark wurde zum Stadtgarten, der Kaisersaal zum Stadtgartensaal. Kurz darauf zog es bereits erste berühmte Namen nach Wanne-Eickel. In den 20er Jahren begeisterte Schauspieler Kurt Seifert das Publikum, ihm folgten wenig später Zarah Leander, Theo Lingen und Maria Schell. Neben den „Großen“ entdeckten aber auch die „Kleinen“ den Saal für sich: Die traditionellen Wanne-Eickeler Theatergruppen „Volksbühne Körner“ und das „Theater Fidele Horst“ zeigten ihre Stücke auf der Wanner Bühne genauso wie der „Dramatische Verein deutsche Treue“, die „Theaterfreunde Unser Fritz“ und „Gemütlichkeit Röhlinghausen“.

Saalbau setzt auf Kultur
Zum stets ausgebuchten Konzert- und Theaterhaus wurde der Stadtgartensaal allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Nachdem die Bombardierung der Stadt auch den Saal an der Wilhelmstraße nicht verschont hatte, machte man sich 1951 daran, das Gebäude in seiner alten Form wieder aufzubauen – zumindest äußerlich, denn im Innern überwog nun der Theatersaal mit seinen rund 500 Plätzen. Diese Betonung des Saals führte dann auch zum Namenswechsel Nummer zwei: als Saalbau lockte er das Publikum mit Schauspiel, Konzerten, Chören – die besonders gut nach dem bühnentechnischen und akustischen Umbau im Jahre 1967 zur Geltung kamen. Kultur sollte fortan den Saalbau beherrschen. Und so kam es, dass das legendäre Streitgespräch zwischen Rudi Dutschke und Johannes Rau nicht wie geplant in Wanne-Eickel stattfand, sondern nach Wattenscheid verlegt wurde.

Experiment „Volkstheater“
Wilhelminischer Jugendstil trifft Moderne: 1974 wurde der Saalbau um einen schwarz verkleideten Anbau erweitert, so dass sich das Haus an der Wilhelmstraße mit der angeschlossenen Gastronomie nicht nur für Kulturveranstaltungen, sondern auch für Kongresse, Betriebsversammlungen und Vereinsfeiern öffnete. An die alten Glanzzeiten der 50er Jahre konnte der Saalbau trotz aller Bemühungen damit aber nicht anknüpfen – bis schließlich Prinzipal Christian Stratmann 2003 das Gebäude für sich entdeckte und in dem traditionsreichen Haus das Experiment „Volkstheater für das Ruhrgebiet“ wagte.



Wanne-Eickel statt Gelsenkirchen
„Ursprünglich wollte ich meine Idee des Volkstheaters in Gelsenkirchen verwirklichen“, sagt Christian Stratmann. Einen Namen gab es auch schon: Gelsenkirchener Barocktheater hätte es heißen sollen. Doch dann machte die damalige Herner Kulturdezernentin Dr. Dagmar Goch den Prinzipal auf den Saalbau aufmerksam – und Stratmann änderte seine Pläne. Mit dem von Friedel Hensch und den Cyprys besungenen „Mond von Wanne-Eickel“ war auch schnell ein Namensgeber gefunden. Innerhalb eines Jahres gelang es Stratmann, den Mondpalast mit neuem Leben zu füllen.

Lampenfieber und Begeisterungsstürme

Ein Intendant, ein Autor, ein Ensemble – alle arbeiteten mit Hochdruck am ersten Stück. Im Oktober 2003 starteten die ersten Proben zu „Ronaldo & Julia“, am 28. Januar 2004 hob sich der Premierenvorhang. Während draußen ein eisiger Wind wehte und dicke Schneeflocken vom Himmel fielen, herrschten im Saal Lampenfieber und Begeisterungsstürme. Mit Standing Ovations feierte das Premierenpublikum die neuen Stars im Mondpalast, der trotz aller Änderungen und Wandlungen immer noch das ist, was auch der Kaisersaal schon war: ein Anziehungspunkt, an dem Menschen gemeinsam lachen, feiern und träumen können.

Nächste VorstellungFr 31.03. 20:00
Ronaldo & Julia
Mondpalast von Wanne-Eickel
Wilhelmstraße 26
44649 Herne

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