Ein Wiedersehen nach vier Jahrzehnten: Roland Heitz, bekannt aus TV-Knüllern wie „Schwarzwaldklinik“ und „Das Sommerhaus der Stars“, steht erstmals als Regisseur im Mondpalast von Wanne-Eickel am Pult. Der 68-jährige Komödienspezialist bringt am 29. Oktober Sigi Domkes neue Bürokratie-Satire „Die unendliche Baustelle“ auf die Bühne. Im Interview verrät er, warum ihn die Ruhrpott-Mentalität begeistert und wie er die kafkaeske Geschichte der Geschwister Eisleben inszeniert.
Herr Heitz, Sie haben 1986 bereits einmal in Wanne-Eickel gespielt. Wie kam es zu diesem Wiedersehen?
Das ist wirklich eine schöne Geschichte. Damals war ich mit „Endstation Sehnsucht“ auf Tournee und gastierte im damaligen Saalbau. Ich spielte den Mitch neben Sieghardt Rupp als Kowalski und Monika Lundi als Stella. Als viele Jahre später das Angebot vom Mondpalast kam, dachte ich sofort: Das kennst du doch! Es war wie ein kleines Déjà-vu.
Was reizte Sie an der Zusammenarbeit mit dem Mondpalast?
Zunächst das sehr sympathische Gespräch mit Marvin Boettcher. Dann habe ich mir mehrere Vorstellungen angeschaut und gesehen, welches Potenzial dieses Ensemble hat. Das sind richtig gute Typen, wie man sie in anderen Ensembles so nicht findet. Das ist ein hochkreatives Ensemble. Mit diesen Künstlern zu arbeiten macht Spaß.
Wie erleben Sie die berühmte Ruhrpott-Mentalität?
Während der Probentage übernachte ich in der Künstlerwohnung des Mondpalasts. Ich fühle mich hier sehr wohl. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre im Theater. Diese Leute sind echt, deutlich ehrlicher als in anderen Gegenden. Das merkt man an Kleinigkeiten. Als ich Geburtstag hatte, kannten mich die Kollegen gerade zwei Tage. Trotzdem haben sie mir so herzlich gratuliert. Das kam total authentisch rüber, nicht aufgesetzt.
„Die unendliche Baustelle“ behandelt Bürokratie-Wahnsinn. Warum passt das so gut zum Mondpalast?
Das Thema ist hochaktuell. Jeder hat seine Erfahrungen mit Behörden und wird sich wiederfinden können. Sigi Domke macht daraus eine Geschichte mit diesem typischen Solidaritäts-Gedanken. Die Geschwister Eisleben kämpfen zusammen gegen die Bürokratie, das Viertel hält zusammen. Das ist typisch für diese Region.
Sie arbeiten mit Silke Volkner und Martin Zaik, zwei Urgesteinen des Hauses…
Das ist fantastisch. Die sind so liebenswerte Menschen und natürlich gut eingespielt über Jahrzehnte. Trotzdem lassen sie sich auf meine Arbeitsweise ein. Ich probe sehr intensiv, vier Stunden am Stück, und sage: Es muss nicht alles zu breit gespielt werden, der Witz geht trotzdem nicht verloren.
Was ist Ihre Handschrift bei dieser Inszenierung?
Ich will keine Riesen-Umbauten wie in anderen Produktionen. Ein Spielort: die Eisdiele. Darum dreht sich alles. Kleine Veränderungen ja, aber nicht diese ewigen Umbauzeiten. Heute können wir den Gästen Stücke von maximal zwei Stunden mit Pause anbieten, dann ist Schluss. Die Sehgewohnheiten haben sich in 20 Jahren komplett verändert.
Warum sollten sich die Mondpalast-Gäste das Stück anschauen?
Jeder wird sich in dieser Geschichte wiederfinden und das Ganze mit Abstand von der heiteren Seite betrachten können. Es ist eine Komödie mit leicht absurden, fast kafkaesken Situationen, aber man kann wirklich herzhaft lachen.
Zur Person Roland Heitz:
Geburtsdatum und Herkunft: Roland Heitz wurde am 11. September 1957 in Neunkirchen (Saarland) geboren.
Ausbildung: Er studierte Schauspiel von 1976 bis 1979 an der Hochschule für Musik und Theater Saarbrücken.
Theaterkarriere: Heitz war in vielen Städten engagiert – darunter Regensburg, Krefeld/Mönchengladbach, Lüneburg, Hannover und Hamburg (u. a. als Oberspielleiter am Altonaer Theater von 1993–1994) – und war später stellvertretender Intendant in Herford.
Direktor der Komödie Kassel: Von 2000 bis 2005 war er Direktor dieses Hauses, wo er zahlreiche Stücke inszenierte und selbst spielte.
Regie an zahlreichen Bühnen: Er inszenierte u. a. in Wien, Bremen, Münster, Detmold, Erfurt, Hagen, Heidelberg, Cottbus, Potsdam sowie bei den Gandersheimer Domfestspielen.
Fernsehrollen: Rollen u. a. in „Verbotene Liebe“ (1995), „Schwarz Rot Gold“ (1989), „Die Schwarzwaldklinik“, „Der Landarzt“ und „Unter uns“.
Reality TV: Mit seiner Lebensgefährtin Janina Korn war Roland Heitz 2021 in der Reality Show „Das Sommerhaus der Stars“ zu sehen.
Aktuelle Arbeiten: Auch 2025 ist er aktiv – etwa bei der TV-Serie „Notruf“ oder als Werbespot-Darsteller für eBay.
Bühnenrollen: Im reichen Bühnenschaffen von Roland Heitz besonders hervorzuheben sind seine Rollen als Dr. Bertholin in „Einmal Sonne für zwei“ (Münster, 2024), Professor Unrat in „Der blaue Engel“ (Cottbus, 2020), Henri Voizot in „Frühstück bei Monsieur Henri“ (Münster, 2018), Amandus in „Honig im Kopf“ (Münster, 2017) oder Jago in „Othello“ (Hamburg, 1990).